Vergiftete Katze

March 1, 2018

Meine Katze ist vergiftet worden. Abgesehen davon, dass ich es nicht fassen kann, dass jemand so etwas macht, möchte ich wissen, was ich tun kann, damit der Täter bestraft wird.

Es kommt leider immer wieder vor, dass Menschen Tiere vergiften. Manchmal stören sich Nachbarn an den Geräuschen oder daran, dass die Tiere ihren Garten betreten und – was Tiere halt tun – zuweilen etwas zurücklassen.

Einer der extremsten mir bekannten Fälle geschah letztes Jahr in Frankreich. Innert weniger Tage wurden in einem kleinen Badeort südlich von Montpellier mehr als 200 Katzen vergiftet. Aber auch in der Schweiz geschehen schreckliche Dinge: Vor kurzem starben drei Hunde in Solothurn qualvoll, weil sie mit Rasierklingen präparierte Cervelats gegessen hatten.

Auch wenn immer wieder behauptet wird, Tiere seien nach dem Gesetz nur Sachen – das ist falsch! „Tiere sind keine Sachen“ hält das ZGB in Artikel 641a klar und deutlich fest. Trotzdem kommen teilweise die auf Sachen anwendbaren Vorschriften zur Anwendung. Dies hat aber damit zu tun, dass Tiere neben dem, dass sie Lebewesen sind, auch einen materiellen Wert haben (z.B. Kühe für einen Bauern).

Dass das Töten eines Tieres nicht nur eine „Sachbeschädigung“ ist, beweist das schweizerische Tierschutzgesetz: Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren wird bestraft, wer vorsätzlich ein Tier misshandelt oder es mutwillig tötet. Und dass diese Strafdrohung durchaus ernst gemeint ist, hat vor einigen Jahren ein Tierquäler erfahren, welcher sein Meerschweinchen zu Tode gequält hatte – er wurde vom Bezirksgericht Zürich zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Nun zu Ihrem Fall: Was können Sie tun, damit der Täter bestraft wird? Das Wichtigste ist vorab, dass die Polizei überhaupt Kenntnis vom Vorfall hat. Am besten geht das, indem Sie eine Strafanzeige gegen unbekannt machen. Eine solche können Sie bei jedem Polizeiposten aufgeben. In dieser Strafanzeige teilen Sie am besten alles mit, was für die Ermittlung des Täters wichtig sein könnte (genaue Umstände, Beobachtungen, Bericht des Tierarztes, usw.).

Was können Sie tun, wenn Sie zwar einen Verdacht haben, wer es getan haben könnte, aber sich nicht sicher sind? Die Polizei hat die Pflicht, Sie zu Beginn der Einvernahme darauf hinzuweisen, dass Sie sich strafbar machen, wenn Sie jemanden wider besseres Wissen beschuldigen. Sie machen sich also nicht strafbar, wenn Sie einen Verdacht äussern (das kann durchaus auch ein konkreter Name sein). Erst wenn Sie wissen, dass jemand unschuldig ist und Sie ihn trotzdem beschuldigen, handeln Sie strafbar.

Wird der Täter gefasst, kennt der Kanton Zürich übrigens eine Besonderheit: Gemäss kantonalem Tierschutzgesetz hat das Veterinäramt im darauf folgenden Strafprozess Parteistellung. Das Veterinäramt gibt also sozusagen dem gequälten oder getöteten Tier eine Stimme. Ich kann Ihnen aus Erfahrung versichern, dass das Veterinäramt diese Aufgabe sehr gewissenhaft wahrnimmt.

 

Haben auch Sie eine rechtliche Frage? Rufen Sie uns an 044 552 85 85

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