Vorsorgeauftrag ohne KESB?

February 1, 2018

Ich möchte nicht, dass die KESB mitreden kann, falls ich einmal nicht mehr urteilsfähig wäre. Deshalb habe ich einen Vorsorgeauftrag verfasst. Nun habe ich gehört, dass die KESB dann aber doch mitredet. Stimmt das?

Viele Menschen denken, wenn sie einen Vorsorgeauftrag verfassen, könnten sie damit die KESB umgehen. Dies stimmt so aber nicht.

Falls jemand urteilsunfähig wird, muss die KESB informiert werden. Die KESB wird dann den Vorsorgeauftrag „validieren“, ihn also prüfen und falls möglich gutheissen. Sie prüft dann vor allem, ob der Vorsorgeauftrag gültig zustande gekommen ist, ob die vorsorgebeauftragte Person für die Aufgabe geeignet ist und ob allenfalls weitere Massnahmen erforderlich sind.

Wann ist ein Vorsorgeauftrag gültig zustande gekommen? Der Vorsorgeauftrag muss von A bis Z von Hand geschrieben sein. Ist dies aus irgendwelchen Gründen nicht möglich, z.B. weil jemand zu schwach dafür ist, kann der Vorsorgeauftrag auch auf einem Computer aufgesetzt und im Beisein eines Notars unterzeichnet werden. Falls es nicht anders geht, kommt der Notar auch im Spital oder zu Hause vorbei. Zudem muss die Person, die den Vorsorgeauftrag schreibt, im Zeitpunkt des Verfassens natürlich noch urteilsfähig sein.

Wie entscheidet die KESB ob die beauftragte Person für die Aufgabe geeignet ist? Wichtig ist sicher, dass die beauftragte Person überhaupt (noch) bereit ist, den Auftrag zu übernehmen – vielleicht sind ja seit dem Verfassen des Auftrags bereits viele Jahre oder sogar Jahrzehnte vergangen. Dann spielt die geographische Nähe eine Rolle – eine beauftragte Person mit Wohnsitz in Australien macht kaum Sinn. Auch muss die beauftragte Person selber natürlich noch urteilsfähig sein.

Falls eventuell nötig, überprüft die KESB zudem, ob weitere Massnahmen ergriffen werden müssen (Erstellung eines Inventars, die Einschränkung der Befugnisse des Beauftragten, die Verpflichtung zur periodischen Rechnungsablegung, usw.).

Und erst dann, wenn die KESB den Vorsorgeauftrag validiert hat, wird er wirksam.

Bevor Sie jetzt denken, was soll das, schliesslich beabsichtigt ein Vorsorgeauftrag ja meistens gerade, die KESB rauszuhalten - überlegen Sie sich, was die Alternative wäre: Jemand würde urteilsunfähig und irgendjemand könnte einfach einen Vorsorgeauftrag vorzeigen und hätte dann die Möglichkeit, für den Urteilsunfähigen zu handeln. Und dies, ohne dass überprüft würde, ob der Urteilsunfähige den Vorsorgeauftrag wirklich geschrieben hat, usw. Wenn Sie dies bedenken, stimmen Sie wohl zu, dass eine gewisse Kontrolle notwendig ist.

Die KESB ist also nicht aussen vor – aber sie hat nur eine Aufgabe: Feststellen, ob der Vorsorgeauftrag validiert werden kann. Ist dies der Fall, ist die KESB danach tatsächlich aussen vor und der Vorsorgeauftrag muss befolgt werden.

 

Haben Sie weitere Fragen im Zusammenhang mit dem Vorsorgeauftrag? Möchten Sie wissen, was Sie vorkehren müssen, um in der Zeit zwischen dem Beginn der Urteilsfähigkeit und der Validierung durch die KESB bereits für die urteilsunfähige Person handeln zu können? Oder ob eine Bank Aufträge im Rahmen von bereits validierten Vorsorgeaufträge nochmals durch die KESB bewilligen lassen darf? Oder was Sie tun können, falls die KESB den Vorsorgeauftrag nicht oder nicht vollständig genehmigt?

 

Haben auch Sie eine rechtliche Frage? Rufen Sie uns an 044 552 85 85

Please reload

Beliebte Beiträge

Ich habe eine eigene Firma, die eine neue Technik entwickelt hat. Nun habe ich ein Übernahmeangebot erhalten. Allerdings will der Käufer zuerst alles...

Geschäftsgeheimnisse richtig schützen

May 9, 2018

1/9
Please reload

zuletzt veröffentlicht

March 1, 2018

Please reload

Archive
Please reload

© 2015 Wildeisen Anwaltskanzlei     |     designed by BruMac